Am Wochenende - oder war es schon Freitag? - fielen in der LVZ mehrere Artikel auf, die zusammen fast ganzseitig Unister und ihr Problem mit der neu zu bauenden Firmenzentrale abhandelten. Tenor war ziemlich eindeutig: 'Wir haben eigentlich alles gemacht, aber die Stadt stellt uns immer neue Fallstricke'.
Das Problem: Unister will ein größeres Gebäude an der Stelle errichten, wo ein DDR Bürogebäude wegerissen wird. Nun hat aber Leipzig schon seit Jahrhunderten eine Verordnung über die Bebaungshöhen der Gebäude in der (Innen-)Stadt. Früher waren das mal 4 Etagen gewesen. Deswegen finden sich in Marktnähe Gebäude mit mehreren Etagen innerhalb des Dachs und auch mehrere Kelleretagen. Darüber gab es nämlich keine Verordnung. Aktuell will Unister ein Gebäude errichten, welches eben in der Zielsetzung eine Etage - bzw. entsprechende Meter - zu hoch ist. Über das Aussehen des Gebäudes kann man geteilter Meinung sein, die Fotomontage, die die LVZ vornahm, zeigte jedenfalls schön, dass sich das Gebäude nicht wirklich der Umgebung unterordnete, allerdings auch nicht wirklich zu etwas Störendem wurde. Also eher grenzwertig.
Auf dieser Seite kam jedenfalls nur Unister zu Wort. Wie gesagt im Sinne von: die Stadt soll sich wegen der einen Etage nicht so haben, immerhin können wir da 200 Leute, sprich Arbeitsplätze, unterbringen.
Gestern und heute standen ein paar Lesermeinungen dazu in der LVZ. Geteilte Ansichten. Die einen sprechen für, die anderen gegen die Stadt. Ich muss zugeben, als ich die Artikel das erste Mal gelesen habe war ich eher für Unister. Als ich dann etwas drüber nachdachte und die Fotomontage gesehen habe, war ich eher dagegen, weil es IMHO ein ganz schöner Klotz ist, der da entsteht. Insgesamt war ich also eher unentschieden.
Nun steht in der heutigen LVZ die Antwort der Stadt auf diese ganze Sache. Immerhin scheint es also ein wenig öffentliche Bewegung zu geben. So wurden Unister andere Möglichkeiten angeboten. Einerseits der Bau eines richtigen City-Hochauses am Geordelerring, wo an der Spitze auch das Firmenlogo angebracht werden könne und andererseits Plätze in der Nähe des Hauptbahnhofs, sowie an der Gerberstraße. Gerade der Platz an der Gerberstraße, dem ehemaligen robotron Gebäude, wäre IMHO deutlich besser geeignet. So ist die Fläche deutlich größer, es gibt keine Nachbarn, die die Bautätigkeit beeinflussen könnten, es gibt einen riesigen Parkplatz, der vermutlich auch benutzt werden könnte. Es ist nicht weiter vom Bahnhof entfernt und vor allem nicht so versteckt wie der Neubau, der jetzt angestrebt wird.
Alles in allem ist mir die Haltung von Unister sehr unverständlich so auf ihrer Position zu beharren. Es gibt nunmal die Beschränkung der Bauhöhe in der Innenstadt, welche auch sehr gut tut. Auch wenn es hier nur um eine Etage geht, aber wo soll man die Grenze setzen? Da eine Etage, da eine halbe, dort eine halbe Etage mehr als die eine, die jemand anderer schon genehmigt bekommen hat?
Zu den angebotenen
Zu den angebotenen Alternativen muss man aber auch die Sinnlosigkeit eines solchen Vorschlags sehen. Es gibt zu jedem Projekt dieser Größe einen Investor, der seine Interessen vertreten sehen möchte. Es gibt Architekten, die seit jahren in das Geschehen integriert sind und es sind sicher Planungskosten in Millionenhöhe angefallen, sicher auch schon Verträge mit Innenarchitekten etc. abgeschlossen wurden. Da kommen Unsummen zusammen. Der Vorschlag der Stadt dient dazu sich aus der Verantwortung zu ziehen und ist wirtschaftlich für ein Unternehmen nicht tragbar. Entschädigt die Stadt dann etwa Unister für die bisher entstandenen Kosten? Ich glaube nicht...