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MODx Evolution

Posted by on Montag, der 17. Mai 2010

Als ich die Webmasterschaft für die Effloresco’s Webseite übernommen habe, wollte ich eigentlich nur den Inhalt aktuell halten, sowie einige alte Daten integrieren, die noch in den Tiefen des FTP Server zu finden sind. Die Seite an sich, sowie das Layout wollte ich nicht ändern.

Dann aber kamen die ersten Aktualisierungen, und ich musste ein wenig mehr im HTML-Code ändern, als mir lieb war. Ich weiß nicht mit welchem Programm die Webseite gebaut wurde, aber ich glaube kaum, dass jemand freiwillig solches HTML zusammenschreibt. Um also die Seite so einfach wie möglich aktualisieren zu können muss ein Content Management System (CMS) her. Ich habe in den letzten Jahren schon einige Erfahrungen mit WordPress, Drupal und TYPO3 gesammelt – für diesen Zweck sind sie aber nicht wirklich geeignet.

  • TYPO3 ist “mit Kanonen auf Spatzen schießen”. Das Backend ist außerdem nicht wirklich einfach und intuitiv zu bedienen.
  • WordPress ist zwar kein CMS sondern ein Blogsystem, kann aber mittlerweile auch statische Seiten erstellen. Die Seiten, dich ich aber bisher gesehen habe, sehen alle zu sehr nach Blog aus. Wie gesagt wollte ich das Design nicht wirklich anfassen.
  • Die Stärke von Drupal ist auch eher der dynamische Seitenaufbau und gerade das Zusammenspiel von mehreren Nutzern. Allerdings benötigt man relativ viele Plugins, damit eine Drupal Seite so richtig stimmig läuft. Jedes weitere Plugin macht die Seite ein wenig langsamer. Auf meiner Seite habe ich das Problem mit boost umgangen, welches statische Seiten generiert, die dann nach Möglichkeit präsentiert werden.

Also hieß es erneut auf die Suche zu gehen nach einem kleinen, schnellen und einfach zu bedienendem CMS. Dabei habe ich ein paar sehr interessante Systeme gefunden, die unter den großen Namen TYPO3, Drupal, Joomla und WordPress einfach unter gehen.

  • TYPOlight (kein Ableger von TYPO3) ist ein sehr schickes System, in welchem selbst das Seitenlayout über das Backend verändert wird. FTP-Zugriff ist also ausschließlich für die Installation nötig.
  • Contenido ist ein deutsches CMS. Ich habe es wirklich mehrfach versucht, aber ich bin damit irgendwie nie warm geworden. Ich kann nicht mal direkt sagen woran es liegt. Vielleicht auch, weil es schwierig ist Anleitungen und Videos im Netz zu finden, da Contenido einfach das spanische Wort für Inhalt ist und dementsprechend schlecht gesucht werden kann. Es ist von Haus aus für mehrere Mandanten und Sprachen vogesehen. Auf einer Webseite wurde aber von der Verwendung von mehreren Mandanten abgeraten.
  • Silverstripe hat von Haus aus Revisionsverwaltung sowie eine Test- und Live-Version der Webseite, die man bearbeitet, so dass man im Hintergrund arbeiten kann und die Seiten dann irgendwann online schaltet.
  • Wer sich die Hände überhaupt nicht “schmutzig” machen will, der findet vielleicht in concrete5 ein CMS. Man hat die Möglichkeit direkt auf der Webseite zu editieren. Nicht nur Inhalte, sondern auch Layout. Ein sehr interessantes Benutzerkonzept, was mich schwer beeindruckt hat.
    Leider schien es ein wenig langsam und am Ende doch irgendwie zu starr in seinen Möglichkeiten.
  • MODx war am Ende mein Favorit, wegen der Geschwindigkeit und der Möglichkeiten, die sich trotz – oder gerade wegen – der Einfachheit des Systems ergeben.

MODx wird von den Autoren eigentlich nicht als CMS sondern als CMF – Content Management Framework – begriffen. Insofern ist es mehr oder auch weniger als die anderen CMS, die ich so getestet habe.

Es ist mehr, weil man die absolute Kontrolle über die entstehende Webseite hat. Das meiste ist reines HTML mit einigen Steuersequenzen. Man kann jedes Layout einbinden und in Templates verwandeln, wenn man nur schon eine HTML Seite hat. Es gibt nur wenige Stellen, an denen man PHP zu Gesicht bekommt und es gibt eine sehr gute Community, auch im deutschsprachigen Raum.

Es ist weniger, weil man im Gegensatz zu anderen Systemen nicht an die Hand genommen wird und der Weg vorgegeben ist, den man zu gehen hat. Es gibt kein direktes Plugin-System, sondern man muss sehr viel von Hand tun, wenn man das System erweitern will. Andererseits ist genau das auch die Stärke – man kann sich frei ausleben und das System so erweitern, wie man es benötigt.

Eine sehr kurze Einführung zu MODx, ohne in die Tiefe gehen zu wollen:

Grundlegend gibt es drei Elemente:

  • chunks sind im Prinzip HTML Blöcke evtl. durch Kontrollsequenzen erweitert
  • snippets sind in PHP geschriebene Erweiterungen, die z.B. ein Menü anzeigen
  • templates fügen das alles zu einem Ganzen zusammen

Dabei ist man nicht auf ein Template pro Webseite beschränkt, sondern hat meist mehrere. Das Template ist quasi die fertige Webseite, ohne den dynamischen Inhalt. So würde man z.B. einen chunk namens header anlegen und mit dem HTML Kopf füllen. In den Templates referenziert man diesen chunk dann mit {{header}}. Dadurch bleiben die Templates übersichtlich und man kann schneller Anpassungen vornehmen.

Innerhalb weniger Stunden hatte ich damit das Webseiten Layout in MODx übertragen und konnte mich um die Inhalte kümmern. Das Maß an Kontrolle und die Fülle an Möglichkeiten habe ich so noch in keinem CMS erlebt.

Auch die Geschwindigkeit des Backends und auch des Frontends ist beeindruckend. Drupal braucht auf diesem Server manchmal mehrere Sekunden für einen Seitenaufbau. MODx auf demselben Server braucht meist nicht mal eine halbe Sekunde, trotz PHP-Aufruf für jede Seite.

Ich denke, wenn ich MODx früher entdeckt hätte, wäre dies sicher keine Drupal Seite.

Nicht unerwähnt sein sollte ein sehr nützliches Plugin namens content_history. Damit legt MODx bei jeder Änderung des Inhalts – also nicht für chunks, snippets und templates – eine Historie an, so dass man vorhergehende Versionen schnell wiederherstellen kann

Damit content_history mit MODx Versionen über 1.0.2 funktioniert, muss man in der Datei assets/plugins/content_history/skin/default/tpl/plugin_formrender.tpl.phtml die Zeile 76 auskommentieren.

// set section title
// $E('div.sectionHeader').setText('<?php ...

Zur aktuellen Version MODx Evolution, welches ich im Einsatz habe, gibt es eine quasi komplett neu geschriebene Version, namens Revolution. Revolution ist momenten im RC1 Stadium, also zum Ausprobieren und Testen geeignet, für richtige Webseiten vielleicht noch nicht. Vielleicht liegt es am RC Stadium, aber Revolution fühlt sich ein wenig langsamer an als Evolution.

Dafür hat die Benutzerführung des Backends einen großen Schritt nach vorn gemacht. So lassen sich Erweiterungen direkt aus einem Repository installieren, ohne Dateien auspacken und per FTP hochladen zu müssen. Vieles lässt sich über Kontextmenüs erledigen, ohne aus dem gerade bearbeiteten Dokument wechseln zu müssen.

Auf die zukünftigen Entwicklungen dürfen wir gespannt sein.

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